01-04-2015, 08:11
Besuchsbereicht bei einer netten älteren Dame in Reutlingen (Teil 1)
Zur Wahrung der erforderlichen Diskretion sind einige Orte in diesem Bericht etwas verfremdet.
So, gestern ging es endlich los nach Reutlingen zu der netten älteren Dame, deren verstorbener Gemahl als Künstler auch Illustrationen für einen namhaften Spielwarenhersteller aus dem Schwarzwald angefertigt hat.
Wo soll ich beginnen?
Die Anreise war ein Thema für sich. Sturm, gesperrte Bahnlinien und die Frage, welches Fahrzeug ich auswählen soll, um das Wohlgefallen der Dame zu gewinnen.
Den großen Benz? Zwar aus Stuttgart, aber möglicherweise zu arriviert.
Neues Bild.png (Größe: 44,05 KB / Downloads: 52)
Käfer? Zu anstrengend und zu langsam.
Diplomat? Keine gute Idee fürs Schwabenland.
Citroen? Nicht schlecht, ein Hauch von Avantgarde.
Fiat? Auch individuell und in den frühen Sechzigern ziemlich angesagt in der intellektuellen Szene. Also Fiat!
Neues Bild (1).png (Größe: 38,37 KB / Downloads: 37)
Auf der Landstrasse beim Anblick des Vordermannes noch mal ins Grübeln geraten, ob nicht doch der Diplomat…
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Aber der Fiat läuft super und Radio, Heizung und Scheibenwischer arbeiten vorzüglich.
Die Wahl fällt auf die Route über Heilbronn, vorbei am Wutzestall, der hoffentlich keinen Sturmschaden erleiden wird.
Nach diversen Staus um Stuttgart endlich Ankunft in Reutlingen – ein schönes gepflegtes Haus aus den Sechzigern.
Neues Bild (10).png (Größe: 93,06 KB / Downloads: 46)
Eine charmante, elegant gekleidete Dame mit einer Hochfrisur, die ihr eine gewisse Strenge verleiht, lässt mich eintreten. Ein Wohnzimmer, in dem man vom Fußboden essen könnte, imposante Bücherwand mit Kunstbänden und Belletristik. „Olivetti Design Katalog 1985“ – einer der jüngeren Titel.
Es gibt Tee und etwas Salzgebäck in Form kleiner Fische. Schwieriger Gesprächseinstieg, ich sehe nirgends eine Faller-Illustration. Es geht darum, was ich so mache, um die schwierige Findung eines Künstlers nach dem Krieg, um abstrakte Malerei und um die Herausforderungen, damit in den fünfziger Jahren Geld zu verdienen. Ich bin im Schwiegersohnmodus und lausche beipflichtend.
Dann eine Wendung: „Junger Mann, ich kann Ihnen gar nichts Richtiges zum Essen anbieten, aber ich kenne ein schönes Restaurant in der Nähe und nach der weiten Fahrt haben Sie sicher Hunger!“.
Draußen vor dem Haus: „Möchten Sie vielleicht mit unserem Wagen fahren?“. Das Tor geht auf und da steht ein cremefarbener Porsche 956 – in Würde gealtert. „Können Sie mit so einem Sportwagen umgehen?“ werde ich streng gefragt. Etwas desillusioniert steigen wir letztlich in den profanen Fiat, nachdem der Porsche keinen Mucks von sich gab – die Batterie wurde vermutlich vor sechs Jahren zuletzt geladen. Luftdruck wird im Sommer immerhin einmal im Monat vom Gärtner geprüft. Den Rat, den Wagen von einem Fachmann durchsehen zu lassen, konnte ich mir nicht verkneifen. Ach so, unverkäuflich ist er natürlich auch.
Wir fahren raus aus dem Ort und es geht verschlungene Sträßlein bergauf, die vor einem Gebäude enden, das mir schier die Sprache verschlägt.
Neues Bild (11).png (Größe: 128,63 KB / Downloads: 61)
Ende Teil 1
Zur Wahrung der erforderlichen Diskretion sind einige Orte in diesem Bericht etwas verfremdet.
So, gestern ging es endlich los nach Reutlingen zu der netten älteren Dame, deren verstorbener Gemahl als Künstler auch Illustrationen für einen namhaften Spielwarenhersteller aus dem Schwarzwald angefertigt hat.
Wo soll ich beginnen?
Die Anreise war ein Thema für sich. Sturm, gesperrte Bahnlinien und die Frage, welches Fahrzeug ich auswählen soll, um das Wohlgefallen der Dame zu gewinnen.
Den großen Benz? Zwar aus Stuttgart, aber möglicherweise zu arriviert.
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Käfer? Zu anstrengend und zu langsam.
Diplomat? Keine gute Idee fürs Schwabenland.
Citroen? Nicht schlecht, ein Hauch von Avantgarde.
Fiat? Auch individuell und in den frühen Sechzigern ziemlich angesagt in der intellektuellen Szene. Also Fiat!
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Auf der Landstrasse beim Anblick des Vordermannes noch mal ins Grübeln geraten, ob nicht doch der Diplomat…
Neues Bild (8).png (Größe: 82,51 KB / Downloads: 38)
Aber der Fiat läuft super und Radio, Heizung und Scheibenwischer arbeiten vorzüglich.
Die Wahl fällt auf die Route über Heilbronn, vorbei am Wutzestall, der hoffentlich keinen Sturmschaden erleiden wird.
Nach diversen Staus um Stuttgart endlich Ankunft in Reutlingen – ein schönes gepflegtes Haus aus den Sechzigern.
Neues Bild (10).png (Größe: 93,06 KB / Downloads: 46)
Eine charmante, elegant gekleidete Dame mit einer Hochfrisur, die ihr eine gewisse Strenge verleiht, lässt mich eintreten. Ein Wohnzimmer, in dem man vom Fußboden essen könnte, imposante Bücherwand mit Kunstbänden und Belletristik. „Olivetti Design Katalog 1985“ – einer der jüngeren Titel.
Es gibt Tee und etwas Salzgebäck in Form kleiner Fische. Schwieriger Gesprächseinstieg, ich sehe nirgends eine Faller-Illustration. Es geht darum, was ich so mache, um die schwierige Findung eines Künstlers nach dem Krieg, um abstrakte Malerei und um die Herausforderungen, damit in den fünfziger Jahren Geld zu verdienen. Ich bin im Schwiegersohnmodus und lausche beipflichtend.
Dann eine Wendung: „Junger Mann, ich kann Ihnen gar nichts Richtiges zum Essen anbieten, aber ich kenne ein schönes Restaurant in der Nähe und nach der weiten Fahrt haben Sie sicher Hunger!“.
Draußen vor dem Haus: „Möchten Sie vielleicht mit unserem Wagen fahren?“. Das Tor geht auf und da steht ein cremefarbener Porsche 956 – in Würde gealtert. „Können Sie mit so einem Sportwagen umgehen?“ werde ich streng gefragt. Etwas desillusioniert steigen wir letztlich in den profanen Fiat, nachdem der Porsche keinen Mucks von sich gab – die Batterie wurde vermutlich vor sechs Jahren zuletzt geladen. Luftdruck wird im Sommer immerhin einmal im Monat vom Gärtner geprüft. Den Rat, den Wagen von einem Fachmann durchsehen zu lassen, konnte ich mir nicht verkneifen. Ach so, unverkäuflich ist er natürlich auch.
Wir fahren raus aus dem Ort und es geht verschlungene Sträßlein bergauf, die vor einem Gebäude enden, das mir schier die Sprache verschlägt.
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Ende Teil 1

